Sexologie, Beziehung und digitale Lebenswelten
Hallo ihr da draußen, ich bin Justus Möllenberg. Ich arbeite als Sexologe, Pädagoge und Referent in Berlin. Wenn mich der Ruf ereilt, auch als Gastdozent.
Mein Arbeitsfeld liegt dort, wo Sexualität, Beziehung, Verhalten und digitale Lebenswelten ineinandergreifen. Mich interessiert der Mensch an jenen Stellen, an denen das Erleben Herausforderungen birgt: wo Lust und Scham, Nähe und Kontrolle, Sehnsucht und Verantwortung, Körper und Sprache miteinander ringen.
Sexualität verstehe ich als einen der dichtesten Erfahrungsräume des Menschseins. Sie ist Leib, Begehren, Resonanz, Geschichte, Kultur und Beziehung zugleich. Sie kann verbinden und verwirren, nähren und gefährden, frei machen und gefangen nehmen. Gerade dort, wo Sexualität irritiert, beschämt oder schwer steuerbar erscheint, braucht sie Sprache und einen klaren Blick.
In meiner Beratung geht es darum, Worte für das zu finden, was bisher diffus, beschämend oder schwer einzuordnen war. Viele Anliegen zeigen sich zunächst als Problem mit Lust, Erregung, Pornografie, Beziehung oder Verhalten. Dahinter liegen häufig feinere Fragen: Was zeigt sich? Was wiederholt sich? Welche Funktion erfüllt ein Verhalten? Welche Form von Verantwortung wird möglich?
Mein Weg
Aufgewachsen bin ich als Einzelkind in einem kleinen Dorf in Bayern. Meine Kindheit war geprägt von Natur, Flüssen, Wäldern und viel Freiheit.
Zugleich bin ich in einer Familie aufgewachsen, in der Frauen selbstverständlich starke, gestaltende Rollen eingenommen haben. Das hat meinen Blick auf Geschlecht, Beziehung und gesellschaftliche Rollen früh geprägt. Rollen erschienen mir nie als etwas Starres, vielmehr als etwas, das gelebt, ausgehandelt und verändert werden kann.
Früh gab es einen tiefen Einschnitt. Der Tod meines Vaters hat mein Leben verändert und vieles danach weniger selbstverständlich gemacht.
Mein Weg verlief selten entlang vorgezeichneter Bahnen. Ich war kein geradliniger Schüler, habe mehrere Schulformen kennengelernt und früh erfahren, wie es ist, nicht gut in bestehende Strukturen zu passen.
In meiner Kindheit und Jugend gab es Erfahrungen mit besonderer Begabungsförderung und später auch neurodivergente Einordnungen. Für mich war das nie nur eine Stärke. Es bedeutete auch, mit hohem inneren Tempo, vielen Reizen und wenig passenden Strukturen umgehen zu müssen.
Diese Erfahrung prägt meinen Blick bis heute. Menschen scheitern nicht immer an fehlendem Willen. Oft geraten Wahrnehmung, Tempo, innere Bewegung und äußere Erwartung in ein Missverhältnis. Mich interessiert genau dieser Zwischenraum, in dem Menschen beginnen, sich selbst als gestaltende Individuen zu verstehen.
Bildung, Medien und Sexualität
Mein beruflicher Weg begann mit einer Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation. Danach führte mich mein Weg kurz zur Bundeswehr. Dort merkte ich schnell, dass diese Welt nicht die meine werden würde.
An der Universität Marburg studierte ich Institutionenökonomik und stellte fest, dass mir die Nähe zum Menschen fehlte. An der Universität Kassel studierte ich anschließend Berufsschullehramt mit Nebenfach Germanistik. Besonders interessiert haben mich Bildung, Sprache, Entwicklung und die gesellschaftlichen Fragen, die daraus entstehen.
In meiner wissenschaftlichen Arbeit beschäftigte ich mich bereits dort mit Pornografiekonsum im Kindes- und Jugendalter. Rückblickend war das ein früher Hinweis darauf, welches Thema mich dauerhaft beschäftigen würde: Sexualität dort ernst zu nehmen, wo sie gesellschaftlich, pädagogisch oder institutionell häufig nur randständig vorkommt.
Klar wurde: Ich möchte dem Thema Sexualität Sprache geben. Ich möchte mit Menschen an einem Feld arbeiten, das intim, verletzlich, lustvoll, widersprüchlich und oft erstaunlich sprachlos bleibt.
Im Masterstudium Sexologie an der Hochschule Merseburg setzte ich meinen Schwerpunkt auf die Schnittstelle von Sexualität und Sucht. Meine Masterarbeit untersuchte die Dimension der Sexualität in der Suchtberatung. Besonders interessierte mich dort die Frage, warum Sexualität gerade in psychosozialen Kontexten oft anwesend ist und zugleich unbesprochen bleibt.
Meine fachlichen Schwerpunkte
Beruflich arbeite ich an der Schnittstelle von Beratung, Prävention, Medien und Sexualität. Themen wie Pornokonsum, BDSM, Kink, digitale Verhaltenssüchte, Chemsex, Sexualität im Kontext von Substanzen, sexualisierte Gewalt im digitalen Raum und Kinderschutz prägen meine Arbeit.
Ich begleite Einzelpersonen und Paare in der sexologischen Beratung. Daneben arbeite ich als Referent und Gastdozent und schule Fachkräfte, Jugendhilfeträger und Jugendämter zu Medien, Sucht, Sexualität und digitalen Lebenswelten.
Seit 2023 bin ich als Referent im Bereich Medienprävention und Verhaltenssüchte beim Caritasverband Berlin tätig. Der dortige Schwerpunkt der Tätigkeit sind die Konzeption und Durchführung von Fachkräftefortbildungen für pädagogische, psychosoziale und medizinische Fachkräfte.
Mich interessieren besonders jene Themen, die in vielen Kontexten schwer Platz finden. Sexualität im Zusammenhang mit Scham. Lust im Zusammenhang mit Kontrolle. Digitale Räume als Orte von Begehren, Bindung, Überforderung und Entgrenzung. Verhalten, das sich wiederholt, obwohl Menschen längst darunter leiden und wie wir als Gesellschaft antworten darauf finden können.
Beziehung, Freiheit und Verantwortung
Auch mein eigenes Beziehungserleben prägt meine Arbeit. Seit vielen Jahren lebe ich in einer glücklichen, intensiven und bereichernden Beziehung. Sie hat mich gelehrt, dass Liebe kein statischer Zustand ist. Liebe braucht Freiheit, Entscheidung, Streitfähigkeit, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, sich immer wieder neu aufeinander zu beziehen.
Ich habe mich auch persönlich mit Polyamorie und alternativen Beziehungsformen auseinandergesetzt. Heute lebe ich bewusst in einem ganz individuellen Modell. Darin liegt für mich kein Widerspruch.
Die Liebe ist ein Kind der Freiheit. Gerade deshalb braucht sie Verantwortung.
Wie ich arbeite
Meine Arbeit ist sexologisch, psychoedukativ und integrativ orientiert. Zu Beginn steht das Verstehen. Was zeigt sich? Was wiederholt sich? Welche Rolle spielen Körper, Beziehung, Medien, Scham, Lust, Kontrolle oder Verantwortung?
Ich arbeite ohne moralische Verurteilung. Zugleich nehme ich Grenzen, Einvernehmlichkeit, Schutz und Verantwortung ernst. Gerade bei Themen wie Pornografie, Kink, BDSM, Chemsex, sexuellen Präferenzen, nicht-monogamen Beziehungen oder schwer steuerbaren Impulsen braucht es einen Raum, in dem offen gesprochen werden kann.
Dabei geht es mir um einen klaren und verantwortlichen Blick auf das eigene Erleben und Verhalten. Manchmal braucht es Einordnung. Manchmal Sprache. Manchmal Struktur. Manchmal auch die Zumutung, sich selbst genauer zuzuhören.
Ziel meiner Arbeit ist ein bewussterer Umgang mit dem eigenen Erleben und Verhalten. Sexualität und Beziehung sollen nicht an eine Norm angepasst werden. Sie sollen verstehbarer, verantwortbarer und lebbarer werden.
Qualifikation
Mein wissenschaftlicher Hintergrund umfasst einen Masterabschluss in Sexologie sowie ein Bachelorstudium der Wirtschaftspädagogik. Darüber hinaus bin ich zertifizierter Medienpädagoge.
Ergänzend habe ich Fortbildungen zu Pornografie- und Sexsucht, Verhaltenssüchten, Suchtformen, neuen psychoaktiven Substanzen, Medienpädagogik und Kinderschutz absolviert.
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